Die Bluespapas in der Presse:   

bluesnews 117 April - Juni 2024



 
Bluespapas
Direkt und authentisch rüberkommen
VON DIRK FUNKE • Mit „Going Up The Country" haben die Bluespapas ein Debütalbum vorgelegt, das aufhorchen lässt. Um Newcomer handelt es sich bei den Beteiligten jedoch nicht, vielmehr ging das im Rhein-Main-Gebiet ansässige Trio aus der Formation Papa Legba's Blues Lounge hervor.
Wenn mal wieder die Phrase bemüht wird, dass (nicht selten jüngere) Musiker/innen frischen Wind in den alten Blues bringen, bedeutet das in aller Regel, dass dieser mit verschiedensten Stilen der moderneren Musikgeschichte fusioniert wurde. So betrachtet, zäumen die Bluespapas den alten Gaul namens Blues fast schon von hinten auf. Dem modernen Zeitgeist entgegen präsentiert das Trio ein außerordentlich authentisch klingendes, traditionelles Album, das mit dem titelgebenden „Going Up The Country" (Canned Heat/Henry Thomas), „Perpetual Blues Machine" (Georgina M. Graper/Keb' Mo') und „Thunderbird ESQ" (von der Garage-Punk-Band The Gories) gleich drei modernere Kompositionen zurück in jene Zeit versetzt, als der ländliche Blues durch die Landflucht im frühen 20. Jahrhundert Einzug in größere Städte hielt und sich dort in den folgenden Jahrzehnten fortwährend modernisierte.
„In unserem Live-Programm finden sich tatsächlich noch mehr von solchen modernen Stücken“, erklärt Bernd Simon. „Wir finden es witzig auszuprobieren, wie sich beispielsweise Prince angehört hätte, wenn er vor 80 Jahren in Chicago gelebt hätte. Und die Reaktionen des Publikums zeigen, dass so was den Leuten gefällt." In Idar-Oberstein geboren, lebt Simon seit 1980 im Rhein-Main-Gebiet und ist seit mehr als drei Jahrzehnten Mitglied der Matchbox Bluesband und der Down Home Percolators. Auch seine beiden Kollegen Reiner Lenz und Thomas Heldmann sind seit Jahrzehnten als Blues- und Jazzmusiker in der Region aktiv; Lenz aktuell mit dem King Lenz Baumgardt Trio und dem Holger Henning Quartett, Heldmann mit den Swinging Tuxedos und der Jazzband En Haufe Leit, mit der er unter anderem Paul Kuhn und Bill Ramsey begleitete. Entsprechend verwundert es nicht, dass sich die Wege der drei Urgesteine bereits mehrfach gekreuzt haben.
Dass Bernd Simon bei den Bluespapas einerseits Mitglied der ersten Stunde und zugleich doch irgendwie der Neue ist, der frischen Wind in das Trio bringt, erklärt sich aus der Gründungsgeschichte der Formation. Die ist eng mit der eingangs erwähnten Band Papa Legba's Blues Lounge verbunden, ohne die es die Bluespapas vermutlich gar nicht geben würde. 2008 hatten der Harpspieler Reiner Lenz und Bassist Thomas Heldmann mit dem Gitarristen Jürgen Queißner das akustische Trio Papa Legba's Blues Lounge gegründet, dessen Geschichte mit Queißners unerwartetem Tod im Januar 2022 abrupt endete. Gekannt, so Heldmann gegenüber bluesnews, habe man sich innerhalb der überschaubaren, aber regen Darmstädter Jazz- und Bluesszene jedoch schon deutlich länger. „Reiner und ich hatten Anfang der 2000er-Jahre zusammen mit unserem Sänger und Gitarristen Johannes eine Band, die sich ausschließlich mit Chansons von George Brassens beschäftigte. Am 11. Mai 2007 hatten wir ein Engagement im Darmstädter Studentenkeller. Leider erkrankte Johannes davor und konnte nicht singen", erinnert sich der Bassist. Die Hoffnung, dass er rechtzeitig genesen würde, erfüllte sich nicht und so musste ein Ersatz für das bevorstehende Konzert gefunden werden. Nachdem Heldmann bereits das eine oder andere Mal als Bassist in Jürgen Queißners damaligem Bluestrio ausgeholfen hatte, erklärte sich nun dieser bereit, bei Heldmann und Lenz einzuspringen.
Es war der Vorabend zu Jürgens 51. Geburtstag. Wir hatten einen erfolgreichen Auftritt und feierten in seinen Geburtstag hinein. Unser Sänger Johannes wurde nicht mehr gesund und verstarb tragischerweise im gleichen Jahr. Nachdem Reiner und ich nach einiger Zeit den Verlust verarbeitet hatten, erinnerten wir uns an den lustigen Gig im Studentenkeller und gründeten dann mit Jürgen 2008 Papa Legba's Blues Lounge." Deren Kombination aus swingendem, mehrstimmig gesungenem Blues und ironischem Augenzwinkern erwies sich als erfolgreich. In den folgenden Jahren veröffentlichte das Trio vier CDs und absolvierte nach eigenen Angaben mehr als 500 Auftritte. „Jürgens Skurrile Einfälle und sein spezieller Humor waren immer ein maßgeblicher Teil unserer Bühnenshows und es war klar, dass es dafür keinen Ersatz geben kann“, resümiert Heldmann. „Sein Tod kam plötzlich, völlig unerwartet. Die Band hatte aber bereits Engagements bis zum Ende des Jahres.
Deshalb haben Reiner und ich beschlossen, dass es irgendwie weitergehen muss."
Da Bernd Simon einige Male bei Papa Leg-ba's Blues Lounge ausgeholfen hatte, wenn Jürgen Queißner verhindert war, lag es nahe, den versierten Sänger und Gitarristen fest ins Boot zu holen. Und in Anlehnung an das Vorgängertrio nennen sich die drei Musiker seitdem Bluespapas.  Dass Simon ganz eigene Qualitäten mitbringt, die der Musik nicht nur Eigenständigkeit, sondern auch mehr Ernsthaftigkeit verleihen, ist durchaus gewollt. „Jürgen war für Papa Legba's Blues Lounge so signifikant, dass wir etwas verändern mussten", erklärt Thomas Heldmann. „Er war ein unverbesserlicher Witzbold, auch auf der Bühne. Das kam
einfach so aus ihm heraus und uns blieb nichts anderes übrig, als mitzumachen. Bei ihm kam alles aus dem Bauch und das war für die Band prägend. Mit Bernd ist die Band musikalischer geworden, fundierter. Papa Legba's Blues Lounge ist rein akustisch ge-startet, mit Dobro und Kontrabass. Aber so genial, wie Bernd Gitarre spielt, kommt es auf einer Gibson besser als auf einer Dobro. Und ich bin schon vor mehreren Jahren aus Bequemlichkeit auf die Bassgitarre umgestiegen. Das gibt dann einen ganz anderen Sound."
Dass die Bluespapas auf moderne Techniken wie Overdubs verzichten und ihr Album „Going Up The Country" sowohl mit Studio-als auch Liveaufnahmen gefüllt haben, folgt einem plausiblen Konzept. „Unser Ziel war es, möglichst direkt und authentisch rüber-zukommen“, erläutert Reiner Lenz diese Entscheidung „Unsere CD ist ja eigentlich nur bei unseren Live-Auftritten erhältlich. Das ist doch auch der Grund, warum man sich eine CD von den Bluespapas zulegt. Man will das hören, was man gerade eben auf der Bühne gehört hat." Wer mit dem Kauf nicht warten will, bis das Trio in greifbarer Nähe gastiert, muss bislang leider per Streaming oder Download auf die digitale Version zurückgreifen. Es bleibt zu hoffen, dass sich dies ändert, denn das hervorragende Album verdient einen Platz in jeder gut sortierten CD-Sammlung.

bluesnews 117 April - Juni 2024

 

Hinterländer Anzeiger 05.03.2024

 

Darmstädter Echo 25.01.2024


Zum Heulen fröhlich
Die drei „Bluespapas“ legen eine Sammlung schöner Traditionals vor / Live wird die neue CD jetzt in der Knabenschule vorgestellt


DARMSTADT. Schlecht drauf zu sein kann richtig gute Laune machen. Klar, der Blues ist erstmal eine Musik, in der vom Weltschmerz bis zum kleinen Jammer daheim – mein Baby hat mich heute früh verlassen und die Zigaretten mitgenommen – alles in klagende Gesänge und die passenden drei Harmonien verpackt wird. Aber es kommt eben drauf an, wie man diesen Jammer, wie man den Blues dann rüberbringt.
Den Darmstädter „Bluespapas“ hört man jedenfalls gern beim Wehklagen zu. Trotz Songtiteln wie „Rainin‘ In My Heart“: Ihre neue CD „Going Up The Country“ (Label: Handmade) wirkt eher wie von Sonne durchglüht. Dieser Blues wärmt die Seele, und das liegt daran, dass alles so geradeaus, so unverkopft wie fachkundig eingespielt wurde. Frisch von der bedrückten Leber weg halt.
Die 14 Titel des Albums hat das Trio an nur zwei Aufnahmetage  eingespielt. In den Liner Notes der CD schreiben sie: „Spontan, authentisch und ohne technischen Firlefanz“ habe man die Sessions eingefangen. Damit meinen sie die sonst üblichen technischen Korrekturen für Tempo und Tonhöhe. Auch wurde nachträglich keine weitere Spur aufgenommen. Der Sound hört sich trotzdem dicht an; auch zu dritt bekommen die Papas einen stimmigen und satten Gesamtklang hin. Vor allem verströmen die Aufnahmen so jene Lebendigkeit, die man mit guter Bluesmusik verbindet. Auf den Dielen eines Tanzschuppens in Louisiana wären diese Darmstädter Jungs auch willkommen, und würden gute Stimmung noch zum traurigsten Befund machen.
So traditionell wie die Besetzung ist auch die Songauswahl. Bernd Simon, Reiner Lenz und Thomas Heldmann halten sich an Gitarre, Bass, Perkussion und Bluesharp. Damit schrubben, zupfen und heulen sie geliebte Evergreens wie Jesse Fullers „San Francisco Bay“ und Perlen wie „29 Ways“ von Willie Dixon. Da geht es dann auch mal gar nicht todtraurig sondern frohgemut wippend an die Frage, welche Wege man zum Herzen beziehungsweise Schlafzimmer der Angebeteten finden könnte. Es sind so einige Strophen zu singen.
So zuckelt dieser Blues-Train in vergnüglichem Tempo dahin. So schön das daheim und unterwegs auf CD klingt: Live kommt diese Musik noch lebenslustiger daher.


Nahe-Zeitung 16.08.2023
 
 

 

 

 


Kontakt:
Thomas Heldmann
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